Formaldehyd

Formaldehyd ist ein farbloses Reizgas, das in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens – beispielsweise Holzspanplatten – eingesetzt wird. Schon sehr geringe Konzentrationen können zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen.

 

Für hohe Raumluftkonzentrationen sind vor allem Holzwerkstoffe, in geringem Ausmaß auch Desinfektionsmittel, Verbrennungsprodukte wie Tabakrauch und offene Gasflammen sowie in seltenen Fällen Kunststoffschäume und Teppiche verantwortlich. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Situation seit Einführung der Formaldehydverordnung 1990 stark verbessert hat. Alte, hochbelastete Spanplatten geben jedoch entgegen weitverbreiteter Ansicht auch heute noch größere Mengen an Formaldehyd an die Raumluft ab. Bei schlecht gelüfteten Räumen genügen schon geringere Mengen an mit formaldehydhältigen Leimen verklebten Holzwerkstoffen, um Richtwerte zu überschreiten.

Gesundheitliche Auswirkungen, Grenz- und Richtwerte
Erhöhte Formaldehydkonzentrationen verursachen bei empfindlichen Menschen Bindehautreizungen, Schwellungen der Schleimhäute und Kopfschmerzen. Formaldehyd wirkt sich verstärkend auf asthmatische Symptome aus. Eingeatmeter Formaldehyd hat mit großer Wahrscheinlichkeit allergisierende Potenz. Eine krebserzeugende Wirkung wird bei höheren Konzentrationen nicht gänzlich ausgeschlossen. Zur Bewertung von Wohn- und Büroräumen werden die Richtwerte der Richtlinie zur Bewertung der Innenraumluft BMLFUW/ Österr. Akademie der Wissenschaften herangezogen. Konzentrationen kleiner 0,10 mg/m³ als Halbstundenmittelwert (bzw. 0,06 mg/m³ als Tagesmittelwert) gelten als unbedenklich. Anzumerken ist, dass die Abgabe von Formaldehyd aus Holzwerkstoffen stark von Temperatur und Luftfeuchte abhängig ist. Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto mehr Formaldehyd wird von Holzwerkstoffen abgegeben (pro 5 % mehr Luftfeuchtigkeit werden 10 % mehr Formaldehyd abgegeben). Unter bestimmten Voraussetzungen ist es sinnvoll, die Messergebnisse auf ein Normklima (laut österreichischer Formaldehydverordnung: 23° C, 45 % rel. Luftfeuchte) umzurechnen.

Permanent erhöhte Formaldehydkonzentrationen in Innenräumen findet man vor allem bei folgenden Situationen:

  • In den Räumen sind größere Mengen an älteren Spanplatten als Möbelwerkstoff, Wandbaustoff bzw. im Fußbodenbereich vorhanden.
  • Ältere Fertigteilhäuser, in denen die Wände aus nur mit Farbe oder Tapeten bedeckten Spanplatten bestehen (vor allem Baujahre bis etwa 1982).
  • In den Räumen sind größere Mengen an verleimten Holzwerkstoffen vorhanden und der Luftwechsel ist gering.